Pankreaskrebs Zentrum

Bauchspeicheldrüsenkrebs – das sogenannte Pankreaskarzinom – gehört mit deutschlandweit etwa 17.000 Neuerkrankungen pro Jahr zwar nicht zu den häufigsten Krebsarten, wohl aber zu denen, die besonders bösartig und aggressiv sind. Im Pankreaskrebs Zentrum des Klinikum Gütersloh arbeiten Spezialisten unterschiedlicher Fachgebiete eng zusammen, um die bestmögliche Therapie für betroffene Patienten zu erreichen und sie in jeder Phase ihrer Erkrankung professionell zu betreuen. Das Zentrum wurde 2018 nach den strengen Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft erstmals zertifiziert. Es bildet gemeinsam mit dem bereits seit 2011 zertifizierten Darmkrebs Zentrum das Viszeralonkologische Zentrum am Klinikum Gütersloh.

Im Pankreaskrebs Zentrum Gütersloh arbeiten Ärzte des Klinikum Gütersloh eng mit den niedergelassenen Medizinern und anderen Spezialisten in ambulanten und stationären Einrichtungen zusammen. Ziel ist es, unsere Patienten umfassend und auf hohem medizinischen Niveau zu versorgen. Umfassend bedeutet für uns, dass Sie als Mensch mit Ihrer Familie, Ihren Wünschen und Sorgen im Fokus unser Handlungen stehen. Wir begleiten Sie in dieser schwierigen Lebenssituation. Dazu gehören insbesondere:

  • Beratung,
  • Diagnostik,
  • Tumor-Therapie,
  • Nachbehandlung entsprechend der aktuellen medizinischen Leitlinien und die Prävention (Vermeidung) von Folgeerkrankungen.

Einen besonders hohen Stellenwert hat für uns die Behandlung von Schmerzen. Unser Ziel ist es, dass keiner unserer Patienten unnötige Schmerzen erleidet. Wir arbeiten für Sie nach den neuesten Standards und bilden unsere Ärzte und unser Fachpflegepersonal für Onkologische Pflege und Schmerztherapie ständig weiter.

Im Pankreaskrebs Zentrum am Klinikum Gütersloh bieten wir Ihnen eine individuelle Versorgung. Neben modernen operativen Verfahren werden – falls erforderlich – exakt abgestimmte Bestrahlungs- und Chemotherapien kombiniert. Im Einzelfall bieten wir unseren Patienten die Möglichkeit der Teilnahme an ausgewählten klinischen Studien und damit eine Behandlung nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen.

Haben Sie Fragen zum Thema Bauchspeicheldrüsenkrebs oder ist bei Ihnen bereits Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden? Dann wenden Sie sich gerne an unsere Sprechstunde. Wir beraten Sie gerne und begleiten Sie auf Ihrem Weg.

Häufig gestellte Fragen

Die Bauchspeicheldrüse liegt zwischen Zwölffingerdarm, Magen und Milz. Sie produziert Verdauungsenzyme, die sie an den Zwölffingerdarm abgibt, sowie Hormone, die sie in die Blutbahn ausschüttet, darunter das für die Regulation des Blutzuckerspiegels wichtige Insulin.

Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)

Entzündungen der Bauchspeicheldrüse können akut oder chronisch verlaufen. Eine akute Pankreatitis wird in erster Linie nicht-operativ behandelt. Wenn die Entzündung nicht ausheilt, sondern chronisch wird, kann es zu zystischen Veränderungen und auch chronischen therapieresistenten Schmerzen oder einer Verengung des Pankreasganges kommen, was einen operativen Eingriff erforderlich macht.

Pankreaskarzinom

Tumoren der Bauchspeicheldrüse können gutartig oder bösartig sein. Die häufigsten bösartigen Tumoren sind Pankreaskarzinome. Dabei handelt es sich um aggressive Tumoren, die früh Metastasen bilden und oft erst spät entdeckt werden. Die Prognose hat sich in den letzten Jahren jedoch deutlich verbessert. Voraussetzung dafür ist die gemeinsame Behandlung durch Spezialistinnen und Spezialisten unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen. Studien haben gezeigt, dass die Heilungschancen für Patientinnen und Patienten mit Pankreaskarzinom besser sind, wenn sie in spezialisierten Pankreaszentren behandelt werden.

Gutartige und bösartige Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom), aber auch Entzündungen (Pankreatitis) erfordern mitunter chirurgische Eingriffe. In allen Fällen handelt es sich um schwerwiegende Erkrankungen, die eine Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen und eine auf die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten zugeschnittene Behandlung erfordern. Die notwendige Infrastruktur wird in unserem Pankreaskrebs Zentrum durch die enge Verzahnung mit Radiologie, Intensivmedizin, Gastroenterologie, Strahlentherapie und Onkologie gewährleistet.

Einige Operationen an der Bauchspeicheldrüse, etwa zur Entfernung von Zysten oder zur Drainage, sind über eine Bauchspiegelung möglich. Tumoren können meistens nur offen durch einen Bauchschnitt operiert werden.

Bei bösartigen Tumoren müssen unter Umständen - je nach Größe und Lokalisation des Tumors- auch Teile des Zwölffingerdarms, des Gallenganges, des Magens und die Gallenblase entfernt werden, manchmal auch die Milz. Bei gutartigen Tumoren kann es ausreichen, den Tumorknoten herauszuschälen, sodass die Funktion der Bauchspeicheldrüse erhalten bleibt.

Während der laufenden Operation können wir Gewebe als Schnellschnitt zum Pathologen schicken, der uns dann telefonisch innerhalb von 20-30 Minuten mitteilen kann, ob es sich um Entzündung oder anderes auch bösartig verändertes Gewebe handelt, so dass während der Operation auf das Resultat reagiert werden kann. Eine genaue Aufarbeitung des Gewebes durch den Pathologen erfolgt im weiteren und das Endresultat kann ggf. 5-6 Tage dauern.

Wir werden im Detail über den Eingriff und das geplante Vorgehen im Vorfeld mit Ihnen und, wenn gewünscht, auch Ihren Angehörigen sprechen.

 

Die beiden häufigsten Operationen beim Pankreaskarzinom sind:

Operation nach Whipple

Hier entfernen wir den Kopf der Bauchspeicheldrüse mit dem Magenausgang und dem Zwölffingerdarm, dem Gallengang und der Gallenblase und nähen anschließend Bauchspeicheldrüsenschwanz, Lebergallengang und Magen wieder an eine Dünndarmschlinge an, um die Kontinuität wieder herzustellen.

Entfernung des Pankreas-Linksresektion mit Entfernung der Milz

Hier muss der Schwanz der Bauchspeicheldrüse mit der direkt anhängenden Milz entfernt werden.

 
Weitere Operationen können im Verlauf notwendig werden. Entweder ist eine Operation im Rahmen einer Komplikations erforderlich oder, weil sich Metastasen gebildet haben. Sollten im weiteren Krankheitsverlauf einzelne Absiedlungen in Leber oder Lunge nachgewiesen werden, muss zunächst nach entsprechender Diagnostik im Rahmen der Tumorkonferenz besprochen werden, ob eine operative Entfernung sinnvoll und möglich ist. Auch dieses können wir dann bei Ihnen durchführen.

Ein Teil meiner Bauchspeicheldrüse wurde entfernt

Bei Patienten, bei denen ein Teil oder sogar die ganze Bauchspeicheldrüse entfernt werden musste, kann es je nach Ausmaß der Entfernung zu einer Funktionseinschränkung der Bauchspeicheldrüsenfunktion kommen. Dabei stehen folgende zwei Probleme im Vordergrund:  

  • zu wenig Pankreasenzyme (führt zu Verdauungsproblemen)
  • zu wenig Insulin (führt zu hohem Blutzucker)

Diese Mangelzustände können mit entsprechenden Medikamenten ausgeglichen werden. Das bezeichnet man als Substitutionstherapie.


Pankreasenzymsubstitution: Enzympräparate zu allen Mahlzeiten


Heute sind Präparate auf dem Markt, die die eigenen Enzyme des Pankreas ersetzen (z.B. Kreon). Diese Enzympräparate müssen zu allen Hauptmahlzeiten und auch bei Zwischenmahlzeiten ("Snacks") eingenommen werden. Die nötige Dosierung ist von Patient zu Patient unterschiedlich und richtet sich nach der Nahrungszusammensetzung und nach dem Beschwerdebild des Patienten. Entscheidend ist, dass unter dieser Therapie ein Völlegefühl und die Durchfälle mit Fettauflagerungen verschwinden. Typischerweise müssen zu den Hauptmahlzeiten mehr Kapseln eingenommen werden als zu den Zwischenmahlzeiten. 
 
Diese Präparate sind meistens sehr gut verträglich und haben praktisch keine Nebenwirkungen. Ganz selten kann es zu einer allergischen Reaktion kommen.


Insulinsubstitution: Individuelle Blutzuckertherapie

Sollten sich nach der Bauchspeicheldrüsenkrankheit oder der Operation hohe Blutzuckerwerte zeigen, ist es notwendig, eine entsprechende Blutzuckertherapie durchzuführen. Anfänglich und bei nicht stark erhöhten Blutzuckerwerten kann dies mit Hilfe von angepasster Nahrungsaufnahme und Tabletten erfolgen, die den Glukosespiegel beeinflussen. Allerdings wird durch den Wegfall der insulinproduzierenden Zellen im Pankreas meistens eine Insulinbehandlung notwendig.
 
Für die Insulinbehandlung stehen heute die verschiedensten Insulintypen zur Verfügung, die es erlauben, die Therapie sehr individuell zu gestalten. Es kann speziell auf Ernährungsgewohnheiten geachtet werden. Ziel einer jeden Therapie ist dabei das persönliche Wohlbefinden und eine gute Einstellung des Blutzuckerwertes. Damit können schwere Folgeschäden in der nahen und fernen Zukunft vermieden werden. Besonders in der Anfangsphase ist eine engmaschige Betreuung durch den Hausarzt oder Spezialisten erforderlich.

Sie werden nach der Operation täglich von Diabetologin Dr. Michaela Müller-Rösel und Diabetesberaterin Britta Fischer in enger Zusammenarbeit mit dem chirurgischen Team betreut.

Tipps für Betroffene, die Insulin spritzen

  • Halten Sie sich an die Dosen und Zeitabstände, die Ihr Arzt Ihnen empfohlen hat
  • Spritzen Sie Insulin jeweils vor den Mahlzeiten
  • Essen Sie in regelmäßigen Abständen und halten Sie Ihren Diätplan hinsichtlich Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße genau ein
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Blutzuckerspiegel und vermeiden Sie Über- und Unterzuckerungen
  • Achten Sie auf Anzeichen einer Unterzuckerung, wie z. B. Nervosität, Gereiztheit, Konzentrationsmangel, Heißhunger, Schwitzen oder Zittern. Nehmen Sie immer Traubenzucker oder Zuckerlösung mit sich, um einer Unterzuckerung entgegen wirken zu können.



Was muss ich nach einer Bauchspeicheldrüsen-Operation beachten?

Da es sich um einen großen Eingriff handelt, steht Ihnen als Patient nach der Whipple-Operation ein längerer Krankenhausaufenthalt bevor. Rechnen Sie mit drei bis vier Wochen. Wenn Komplikationen auftreten, müssen Sie womöglich auch länger in stationärer Behandlung bleiben. Ggf. wird sich auch eine Anschlußheilbehandlung anschließen. Diesbezüglich werden die Mitarbeiter unseres sozialmedizinischen Dienstes Sie aufsuchen und diese in Absprache mit Ihnen planen.

Bei einer bösartigen Erkrankung werden wir im Verlauf alle Befunde und die weitere Therapieempfehlung mit Ihnen besprechen. Weil sich Bauchspeicheldrüsenkrebs schnell ausbreitet und einzelne Zellen bereits im Körper verstreut liegen können, ist zusätzlich zur Operation eventuell eine Chemotherapie nötig, die in der Regel sechs Monate dauert.

    Ernährung nach einer Bauchspeicheldrüsen-Operation

    Die Whipple-Operation ist ein großer Eingriff in das Verdauungssystem des Patienten. Zwar kann sich der Körper ein Stück weit an die Veränderungen anpassen. Betroffene sollten aber bestimmte Ernährungsregeln beachten, um die Belastungen auf den Magen-Darm-Trakt möglichst gering zu halten:

    • Einschränkung der Kohlenhydratzufuhr
    • Verringerter Konsum von Milchprodukten
    • Ballaststoffreiche und blähende Lebensmittel meiden (zum Beispiel Kohl, Pilze, Lauchgewächse)
    • Mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer Mahlzeiten (bis zu 8 pro / Tag)
    • Keine Getränke während und kurz nach dem Essen
    • Gründliches Kauen und langsames Essen
    • Keine zu kalten oder zu heißen Speisen
    • Verzichten Sie auf fette Speisen und verwenden Sie beim Kochen Spezialfette, so genannte MCT-Fette
    • Meiden Sie kohlensäurehaltige Getränke und trinken Sie stattdessen Wasser oder Tee
    • Legen Sie sich nach dem Essen nicht hin
    • Meiden Sie große Mengen Rohkost
    • Verzichten Sie auf geräucherte Wurstwaren

    Zur Beratung und bei speziellen Fragen steht Ihnen unser Ernährungsteam zur Seite und Sie erhalten entsprechende Informationsmaterialien.

    Tipps gegen Appetitlosigkeit und Geschmacksstörungen bei einer Chemotherapie

    • Wählen Sie Speisen und Getränke, auf die Sie Appetit haben. Bei Appetitlosigkeit können kalorienreiche Trinklösungen („Astronautenkost") Nährstoffe liefern.
    • Vermeiden Sie Lebensmittel, die die Magenschleimhaut reizen, z. B. saure und fette Speisen, scharf Gebratenes, Kaffee, manche alkoholische Getränke.
    • Weiche Sie auf kalte Speisen aus, wenn Sie der Geruch von Speisen stört.
    • Achten Sie bei Erbrechen oder Durchfall darauf, dass Sie verlorene Flüssigkeit und Salze durch ausreichendes Trinken ersetzen.
    • Pflegen Sie Ihre Mundschleimhaut und spülen Sie sie täglich mit desinfizierender Lösung, jedoch keinesfalls mit Hexoral Spülungen mit einer Stomatitislösung oder Salbei-Tee und Eislutschen mildern Schmerzen im Mundraum.

     

     

    Es ist möglich, dass im Rahmen einer Bauchspeicheldrüsenoperation die Milz mitentfernt werden musste.
     
    Man kann ohne Milz leben. Ohne Milz ist man jedoch empfindlicher für bakterielle und andere Infektionen, da die Milz eine Rolle in der Immunabwehr des Menschen spielt. Bestimmte bakterielle Erkrankungen können ohne Milz zu lebensgefährlichen Erkrankungen werden. Um die Patienten davor zu schützen, sollte man nach der Operation eine entsprechende Impfung erhalten. Hier sind besonders die Pneumokokken-Infektion und die Schutzimpfung vor dieser Erkrankung zu nennen. Nach etwa 3 bis 5 Jahren müssen nach den heutigen Richtlinien diese Impfungen wiederholt werden. Jeder Patient sollte beim Auftreten einer Infektion und Fieber den Hausarzt aufsuchen und diesen auf die Tatsache aufmerksam machen, dass er keine Milz mehr hat. Dieser wird dann entscheiden, ob eine antibiotische Therapie notwendig ist.
     
    Nach Milzentfernung kann es zu einem Anstieg der Blutplättchen (Thrombozyten) kommen. Es ist sinnvoll, diese regelmäßig zu kontrollieren. Bei zu hohen Blutplättchenzahlen im Blut kommt es zu einer Thromboseneignung. Bei einem entsprechenden Wert, wird Ihnen Ihr Arzt vorübergehend Medikamente verordnen, um die Thrombosegefahr zu verringern.